Wenn das Immunsystem die Schilddrüse angreift
Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland. Trotzdem dauert es bei vielen Betroffenen Jahre, bis die Diagnose gestellt wird. Das liegt unter anderem daran, dass die Symptome schleichend beginnen und leicht mit anderen Erkrankungen oder einfach mit Erschöpfung verwechselt werden können.
Bei Hashimoto handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet: Das körpereigene Immunsystem erkennt Schilddrüsengewebe irrtümlich als fremd und beginnt, es anzugreifen. Im Verlauf dieser chronischen Entzündung wird die Schilddrüse zunehmend zerstört, was ihre Fähigkeit einschränkt, ausreichend Schilddrüsenhormone zu produzieren.
Warum Frauen häufiger betroffen sind
Hashimoto trifft Frauen deutlich öfter als Männer. Schätzungen zufolge sind bis zu neun von zehn Betroffenen weiblich. Die genauen Ursachen dafür sind noch nicht vollständig geklärt, aber Forschende gehen davon aus, dass Sexualhormone eine Rolle spielen. Östrogen scheint das Immunsystem auf eine Weise zu beeinflussen, die Autoimmunreaktionen begünstigt. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle: Wer Verwandte mit Hashimoto oder anderen Autoimmunerkrankungen hat, trägt ein erhöhtes Risiko.
Der typische Verlauf der Erkrankung
Hashimoto verläuft individuell sehr unterschiedlich. In frühen Phasen kann die Schilddrüse durch die Entzündung vorübergehend zu viele Hormone ausschütten, was zu Symptomen einer Überfunktion führt. Später überwiegt meist die Unterfunktion. Typische Beschwerden einer Hypothyreose durch Hashimoto umfassen:
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf
- Gewichtszunahme ohne veränderte Ernährung
- Kälteempfindlichkeit
- Konzentrationsprobleme und Gedächtnislücken
- Trockene Haut und brüchige Haare
- Verstimmungen bis hin zu Depressionen
Diagnose: Worauf es ankommt
Die Diagnose wird durch Blutuntersuchungen gestellt. Neben dem TSH-Wert, der die Aktivität der Hirnanhangsdrüse misst, werden bei Verdacht auf Hashimoto auch Antikörper bestimmt, vor allem TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper. Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse kann zusätzlich Aufschluss über strukturelle Veränderungen geben.
Viele Betroffene berichten, dass sie lange mit Symptomen zu kämpfen hatten, bevor ein Arzt den Zusammenhang mit der Schilddrüse erkannte. Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, den Krankheitsverlauf besser zu steuern.
Leben mit Hashimoto
Eine Heilung der Autoimmunerkrankung selbst ist bislang nicht möglich. Ziel der Behandlung ist es, den Hormonmangel auszugleichen und die Lebensqualität zu verbessern. Viele Betroffene berichten zudem, dass Veränderungen im Lebensstil, etwa in der Ernährung, beim Stressmanagement oder beim Schlaf, subjektiv einen Unterschied machen. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist zwar noch im Aufbau, aber der individuelle Erfahrungsaustausch unter Betroffenen zeigt deutlich, dass das Thema komplex und sehr persönlich ist.
Hashimoto ist eine ernsthafte, aber behandelbare Erkrankung. Wer gut informiert ist, kann aktiver an seiner eigenen Gesundheitsversorgung teilnehmen und gemeinsam mit Ärzten bessere Entscheidungen treffen.
